Februar 2012: Die zweite Reise an die libanesisch-syrische Grenze

Reisebericht 2

Es ist Frühling in Wadi Khaled, die Bäume blühen, Vögel zwitschern. Sobald man aber durch eine Tür tritt, herrscht Elend und fürchterliches Leid. Das Hochtal im Norden des Libanon wird immer strikter abgeriegelt. Nur ausgewählte Hilfsorganisationen dürfen noch vor Ort tätig sein. Im Internet kursieren Berichte von Hilfslieferungen, die aber in Wahrheit nie dort angekommen sind. Wir sind entsetzt über die Lage.

Zu fünft verbrachten wir nun zwei Tage im Wadi und konnten alle unsere Hilfspläne verwirklichen. Unser gesamtes medizinisches Material, das uns in Deutschland gespendet wurde, konnten wir in Tripolis an eine Organisation übergeben. Unsere Hilfslieferung für die Ärzte mit einem Gesamtgewicht von über 250 kg wird in diesen Tagen bereits im Libanon und in Syrien eingesetzt. Dabei handelt es sich um Blutspendebeutel, Narkosemittel, Schmerzmittel, Desinfektion, Kanülen, OP-Besteck, Antibiotika bis hin zu Insulinspritzen (Insulin war zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes in der Gegend um Damaskus nicht mehr erhältich und wird dringend angefordert!). Die Kriegszustände speziell um die Großstadt Homs sind derart dramatisch und unmenschlich, dass jeder Hilfskarton ohne Zeitverzögerung weitertransportiert wird.

Im Wadi Khaled haben wir mit den Spendengeldern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vielerlei Dinge eingekauft, um den Alltag der Flüchtlinge zu erleichtern. 1.500 Großpakete Milchpulver, die gleiche Größenordnung an Windeln, Babypuder, Essen aller Art, Zahnpasta, Putzzeug usw. Ein Großteil davon konnte direkt an die Flüchtlinge übergeben werden, der Rest wird in einem sicheren Lager in der Ortschaft Rame aufbewahrt und in nächster Zeit zusammen mit Gasflaschen von Kontaktleuten vor Ort ausgeliefert.

Unsere mitreisenden Ärzte haben in unzähligen Familien dringend benötigte Arzneimittel verteilt und kleinere Behandlungen durchgeführt. Um die Schnupfnasen der Kinder hat man sich genauso gekümmert wie um gynäkologische Probleme oder Schußwunden. Besonders tragisch war allerdings unsere medizinische Hilflosigkeit gegenüber kriegstraumatisierten Kindern und Erwachsenden, die zum Teil schwere Folter überlebt haben. Hier wären langfristige Therapien und Behandlungen nötig. Das können wir leider nicht leisten.

Mit den Spendengeldern haben wir  zusätzlich ausgewählte Familien unterstützt und werden uns nun speziell zwei Fällen ausgiebig widmen: Einem libanesischem Familienvater mit vier kleinen Kindern wurde in seinem Acker von einer syrischen Mine der linke Fuß bis unters Knie abgetrennt. Die Wunde wurde nach dem Unglück von libanesischen Ärzten gut versorgt, doch ist dringend eine schnelle Hilfe nötig. Der Mann muss eiligst nach Europa zur weiteren Behandlung und zur Anpassung einer Prothese.

Im zweiten Fall wurde einer 19 Jahre jungen Frau in Syrien durch Granatenbeschuss das Gesicht zur Hälfte zerstört. Sie ist Mutter eines 18-monatigen Mädchens und wird in Beirut behandelt. Da es zu gefährlich war, sie in ein libanesisches Krankenhaus zu bringen, liegt sie derzeit in einer privaten Wohnung. Die extreme Bedrohung treibt die Kosten ihrer Behandlung in immense Höhen. Wir spenden hier Bargeld, um eine stetige ärztliche Betreuung zu garantieren.

Wir benötigen dringend IHRE weitere Unterstützung und Aufmerksamkeit.

Ihr
Christian Springer

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