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Dringender Appell: NOTHILFE SOFORT!

In diesen Tagen schnellt die Zahl der syrischen Flüchtlinge in dramatische Höhen. Bis zu 15.000 Flüchtlinge werden alleine im Niemandsland zwischen Syrien und dem Libanon erwartet. Die syrische Armee geht mit brutaler Härte vor und verschont weder Kinder, Alte, noch Babys und Schwangere. Jeder Mensch ist Zielscheibe. Sie werden beschossen und bombardiert. Offizielle Organisationen sowie private Flüchtlings-Hilfsgruppen haben mich gebeten, diesen dringenden Appell zur Hilfe weiterzugeben.

Material wird benötigt zur Erstversorgung von Verletzten, zur Stabilisierung von Schwerstverletzten, und für Not-OPs in den sogenannten Feldlazaretten und wenigen verbliebenen heimlichen Versorgungsstationen, die oft nur Kellerlöcher sind. Wir wollen hier aufgrund der unglaublichen Dringlichkeit das seit fünf Jahrzehnten seriös operierenden Medikamentenhilfswerk Medior einschalten, die dieses Material in der erbetenen Größenordnung schnellstens zur Verfügung stellen können. Die Notfallkisten sind bereits gebrauchsfertig verpackt mit Verbandszeug, Wundversorgung, Operationsbesteck etc., um eine Basisversorgung zu gewährleisten.

Wir erbitten hierfür dringendst Geldspenden. Der beste Doktor kann nicht helfen ohne Material. Die von uns bereits angeforderte Hilfslieferung hat Containergröße und soll bereits in 10 Tagen vor Ort sein.

DANKE!
Ihr Christian Springer

Dezember 2011: Die erste Reise zu den syrischen Flüchtlingen im Wadi Khaled

Reisebericht 1

Liebe Freunde, Unterstützer, Daumendrücker und Interessierte,
unser Projekt war erfolgreich!

Gemeinsam mit Dr. Küpper aus Aachen, einem Arzt mit viel Erfahrung bei Noteinsätzen in Krisengebieten, und Susanne Osthoff, die perfekt Arabisch spricht, war ich drei Tage vom 18. bis 22. Dezember 2011 im Libanon, um syrischen Flüchtlingen im Wadi Khaled zu helfen. Libanon hat eine kleine Grenze zu Israel, der Rest des Landes grenzt an Syrien. Im äußersten Nordwesten liegt das Hochtal Wadi Khaled. Dorthin flüchteten sich ca. 3000 Syrer. Sie stammen zum Großteil aus Tell Kalakh, das zerstört worden ist, andere kommen aus Homs, der immer noch umkämpften Großstadt in der Mitte Syriens.

Die syrischen Familien leben zum Teil bei libanesischen Familien, und zum Teil in öffentlichen Gebäuden. Die Gegend selbst ist arm, somit ist die Versorgungslage höchst dramatisch. Manche Syrer müssen im Freien übernachten, zwischen den Landminen. Das UNHCR und „Save the children“ sind vor Ort, doch die Rettungsmaßnahmen reichen nicht aus, da täglich Flüchtlinge nachrücken.

Syrien hat inzwischen das gesamte Grenzgebiet vermint und die libanesische Armee hat Wadi Khaled abgeriegelt.

Ist es sinnvoll, in einer privaten Dreiergruppe helfen zu wollen?  – JA!

Uns gelang es am Montag, die Sperren zu überwinden und landeten im Dorf Rame, in Sichtweite der Syrer. Dort sind in einer Schule über 100 Syrer untergebracht. Es sind hauptsächlich Familien, die ausnahmslos traumatische Erlebnisse hinter sich haben. Sie führten uns sofort in die Küche. Die einzige Gemeinschaftsküche besteht aus einem Gasofen, einem Waschbecken, und einem Kühlschrank. Strom gibt es nur sporadisch. Im Moment unserer Ankunft gab es kein Gas, das für die Beheizung der dunklen Löcher, die mittelalterlichen Gefängniszellen gleichen, und zum Kochen benötigt wird. Unter unvorstellbarem Jubel packten wir die leeren Gasflaschen ein und kauften neue. Innerhalb einer halben Stunde hatten die Menschen wieder eine Kochmöglichkeit und Wärme zurück. So einfach ist Helfen manchmal. Das UNHCR liefert einmal im Monat das Gas. Doch die Flaschen sind nach 10 Tagen leer.

Wir verließen das Wadi Khaled, um Hilfsgüter zu kaufen, da wir nun die Engpässe kannten.

Am nächsten Tag wurden wir bei der Anfahrt zu unseren Flüchtlingsfamilien mit dem prallgefüllten Wagen am Checkpoint zurückgewiesen. Wir mußten an drei verschiedenen Orten zum libanesischen Geheimdienst. Die Odyssee nahm kein Ende, obwohl wir viele Helfer an der Seite hatten. Die deutsche Botschaft war informiert, Staatsministerin Cornelia Pieper, die D.A.G., einflußreiche Libanesen, doch niemand konnte uns helfen. Wir mußten zurück nach Beirut. Im Verteidigungsministerium herrschte Weihnachtsstimmung und das Wunder geschah. Nach langen Diskussionen und Wartezeiten bekamen wir die Genehmigung des Militärs, wieder ins Wadi Khaled zu fahren.

In tiefster Dunkelheit lieferten wir an die Flüchtlinge in der Schule kistenweise Lebensmittel, von Zitrusfrüchten bis Milchpulver, Dutzende Puppen für die Kinder, neue Zahnbürsten genauso wie Damenbinden. Bücher für die Kinder und ein wenig Literatur zur Zerstreuung für die Erwachsenen, Zigaretten, warme Schlafanzüge, Kinderschuhe, Windeln, Seifen, Spülmittel – und ein paar Fußbälle, die natürlich sofort zum Einsatz kamen.

Dem Bürgermeister des Ortes übergaben wir Bargeld für den Einkauf von Gasflaschen, und Medikamente für 300 Patienten, darunter dringend benötigte Medizin für chronische Beschwerden mit Herz und Kreislauf oder Zuckerkrankheiten.

Nachhaltigkeit

Sobald wir können, werden wir wieder nach Wadi Khaled fahren. Dazu werden wir Spendengelder brauchen und einen Verein gründen müssen. Die jetzige Reise hat Christian Springer alleine finanziert, das wird in Zukunft in dieser Größenordnung nicht mehr gehen. Denn der nächste Transport soll noch viel mehr Menschen helfen.

Mein persönliches Weihnachten 2011 hatte ich bereits, als ich in der Schule von Rame ein Mädchen auf den Armen hatte, das dort vor vier Wochen von einer geflohenen Syrerin zur Welt gebracht worden ist. Ein friedlich schlafendes Kindchen.

Mancher denkt nun vielleicht: So ein viertel Tropfen auf einen glühenden Stein bringt doch nix! Richtig ist, wir konnten weder allen Menschen helfen, die im Wadi Khaled Hilfe benötigen, noch den syrischen Tyrannen stürzen. Aber seit unserem Besuch hat in den tristen Wänden ihres neuen Zuhauses ein kleines syrisches Flüchtlingsmädchen einen rosaroten Hüpfball, den sie heiß und innig liebt. Alleine dafür war es alles wert!